Das Thema lautet Menschlichkeit

Berlin, 12. Dezember 2016, Deutscher Bundestag
Seminarraum, Gespräch mit Oliver Krischer (MdB; Bündnis 90/Die GRÜNEN)

Gruppe: Vertreter von ehrenamtlichen Flüchtlingsinitiativen aus dem Kreis Düren

Im Namen des großzügigen, nachsichtigen und allmächtigen Gottes.
Guten Abend und herzlich Willkommen!

Zunächst bedanke ich mich bei ihnen, Herr Oliver Krischer, dass Sie mir die Gelegenheit geben hier zu sprechen. Heute steht ein sehr wichtiges Thema an, das Ihnen allen sicher viel bedeutet.

Das Thema lautet Menschlichkeit.

Hinter diesem heiligen Wort verbergen sich viele Bedeutungen.

  • Meiner Meinung nach ist Menschlichkeit gegenseitige Hilfestellung, d. h., du hilfst mir und ich helfe dir; du nimmst meine Hände, damit ich aufstehen kann und ich nehme deine Hände, damit du in den Stürmen des Lebens stark bleibst und dein Leib nicht ins Wanken gerät und ins Zittern kommt, nicht ins Schaudern oder Zucken verfällt.
  • Gott hat uns als Menschen erschaffen, um miteinander unser Leben zu gestalten und füreinander da zu sein.
  • Menschlichkeit heißt, wenn du mir Hilfe gibst, mein Leben in Frieden zu gestalten, darf ich dabei nie vergessen, dass du deinen Beitrag zur Menschlichkeit schon geleistet hast.
  • Ich habe das Gefühl, hier begegne ich Menschlichkeit ohne dass eine Gegenleistung erwartet wird.

Als ich ein Kind war, sagte meine Mutter, die nie lesen und schreiben konnte, dafür aber große Kenntnisse der Menschlichkeit besaß, zu mir: „Mein Sohn, leiste in deinem Leben immer Hilfe, wo Not und Elend ist; tue alles für Menschen, was du kannst, stelle aber keine Forderungen und hohe Erwartungen. Gott sieht dich und ist in schwierigen Situationen des Lebens an deiner Seite. Wenn du selbst hilflos bist, schickt er dir einen Engel, egal in welcher Farbe, welcher Nation oder welcher Religion – ein Mensch mit einer heiligen Seele“.

Meine Mutter hat mir damals Menschlichkeit gelehrt, aber ich war noch ganz ahnungslos.

Bis Fremde in unsere Heimat kamen, uns ausplünderten und ausraubten und die Wiesen meiner grünen Stadt vom Blut unserer tausenden Väter in eine verwüstete Landschaft und einen großen Friedhof verwandelten.

  • Afghanistan ist bis jetzt nicht sicher, alle Welt weiß das. Medien und Politiker sind täglich Zeuge.
  • Bis jetzt dauern Plünderung und Blutbad im Leben der Menschen an. Trotzdem werden unterdrückte afghanische Flüchtlinge aus Europa und auch aus Deutschland abgeschoben. Sie müssen zurück in eine Hölle. Bitte stoppen sie diese Abschiebungen!

Diese Situation hat mich zur Flucht gezwungen.

Nach einer Odyssee alleine durch Wüsten und übers Meer kam ich nach Deutschland.

Lassen Sie uns gemeinsam nachdenken: Was ist die Quelle von Menschlichkeit?

  • Menschlichkeit wächst in unseren Herzen; sie zeigt sich nicht in unserem Gesicht, in unserer Kraft und in unseren Finanzen.
  • Ich habe das Gefühl, hier bin ich bei den Menschen, die sich für Menschlichkeit einsetzen und die für ihre Mitmenschen da sind.
  • Ich will mit lauter Stimme rufen, dass Flucht eine Berechtigung hat und kein Verbrechen ist, wenn Menschlichkeit stirbt, das Leben in Gefahr ist und die Lebensumstände sich nicht mehr verbessern können.

Menschen, die gegen Einwanderer und Flüchtlinge sind, möchte ich sagen: „Jawohl, dein Land ist sicher und grün, dein Haus ist schön und warm, du kannst sogar von deinem Haus aus die Regentropfen sehen und genießen. Du kannst den Schoß deiner Familie in Anspruch nehmen. Den liebevollen Blick deiner Mutter. Die kräftigen und schützenden Hände deines Vaters auf deinen Schultern fühlen und schließlich gehört die Welt zu dir, mit all dem Schönen und Angenehmen, was die Welt zu bieten hat.“

Ich hoffe und wünsche, irgendwann wird mein Land wieder befreit sein.
Der Friede kehrt ein und die Besiedelung und der Aufbau gehen wieder voran. Das Land wird bewohnbar und unser Land verwandelt sich wieder zu einer blühenden Oase.

In einem besseren, neuen Afghanistan lade ich dich ein, küsse deine Hände und bin wegen deiner netten zugewandten Herzlichkeit und Menschlichkeit von meinen enttäuschten Tagen befreit; mit Tränen in den Augen eines völlig milden Herzens stünde ich vor dir und würde dir von Herzen Danke sagen.

  • Ich würde dich fest umarmen und küssen, wie du mich umarmt und geküsst hast.
  • Dann stelle ich dich meiner Mutter vor und sage zu ihr: „Als du nicht da warst, war sie an deiner Stelle und wie eine Mutter zu mir.
  • Ich zeige dir meinen Vater und sage zu ihm: „Seine Hände waren auf meinen Schultern, als ich deine Hände nicht gefühlt habe.“
  • Meine Geschwister lernst du kennen und ich werde zu ihnen sagen: „Sie waren bei mir und gaben mir die Sicherheit, dass ihr immer an meiner Seite steht.“

 

Letztendlich bitte ich alle großen Politiker aus Amerika, Iran, Pakistan, Saudi Arabien und anderen großen Ländern, die menschenverachtende Politik zu beenden, damit nicht weiter unschuldige Länder, wie Afghanistan, Syrien, Irak, Jemen und viele andere weiter leiden.

Sollten wir nicht besser die Wertschätzung der Menschen, ihre Achtung und Würde im Auge behalten?! Alle Menschen sehnen sich danach in Frieden leben zu können.

 

Wenn ich heute hier in Sicherheit bin, ist das für mich selbstverständlich. Dies sind alles Segnungen des großen Gottes. Frau Dr. Merkel hat ihren Anteil dazu beigetragen.

  • Heute möchte ich Frau Merkel und ihrem gesamten Team, allen Kolleginnen und Kollegen, die mit unermüdlichem Eifer für Menschlichkeit gearbeitet haben meinem Dank aussprechen.
  • Eines möchte ich noch erwähnen: Frau Merkel ist nicht mehr nur eine Kanzlerin, sie ist jetzt ein Engel in den Herzen von Millionen Menschen.

 

Ich, Sulaiman Bakhtiar, bedanke mich mit Leibe und Seele von Herzen bei meinen Betreuern Herrn Reiner L., liebe Schwester Gerharda, Herrn Frank P., und besonderes der besten Frau in der Welt, – wenn ich „beste Frau in der Welt“ sage, ist das nicht übertrieben, sie war meine mitfühlende Person in meinen enttäuschten Tagen, jetzt ist auch bei mir wie meiner Mutter, hier in meinem Herz -. Ich spreche von Frau Gudrun A.. Ich danke dir tief in meinem Herz für alles, was du mir bis jetzt gemacht hast und was du mir machst.

 

Alle meine Aussagen widme ich meiner lieben Schwester Maria Ladenburger*. Dieses bedauerliche Ereignis tut mir sehr leid. Wir sind von Herzen traurig, bedrückt und wir fühlen uns und leiden mit ihrer Familie.

Ich wünsche ihr, dass sie im Himmelreich ruhig, froh und in Frieden ist. Komm und hör unseren Jammer, wir alle sind betroffen über das, was dir passiert ist. Du lässt uns dich vermissen. Ich danke dir. Die Menschen, die du dich eingesetzt hast, verdanken dir viel.

Wir sind Zeuge, dass du deinen Beitrag zur Menschlichkeit geleistet hast. Du bleibst in unseren Herzen.

 

Danke für ihre Aufmerksamkeit.
Sulaiman B.

* Maria Ladenburger (deutsche Studentin) wurde am 16. Oktober 2016 in Freiburg Opfer eines Tötungsverbrechens durch einen afghanischen Flüchtling.

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